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Veröffentlicht am 13. Juli 2026

Der eigene ADS-B-Empfänger

Alle Flugdaten auf meiner Flugradar-Seite stammen aus dem eigenen Wohnzimmer beziehungsweise vom eigenen Dach. In München-Solln steht ein selbst gebauter ADS-B-Empfänger, der die Positionsmeldungen der Flugzeuge auf 1090 MHz mithört und sie parallel an fünf große Flugtracking-Netzwerke weitergibt. Was als Wochenendprojekt begann, läuft inzwischen rund um die Uhr — und zahlt sich aus, wenn auch nicht in bar, sondern in Sachleistungen.

Die Hardware

Der Aufbau ist erfreulich unspektakulär. Ein Raspberry Pi 4 übernimmt die Arbeit, daran hängt ein Nooelec NESDR SMArt v5 — ein Software-Defined-Radio-Stick mit R820T2-Tuner — und eine auf 1090 MHz abgestimmte Antenne. Dazu kommen MicroSD-Karte und Netzteil. Zusammen liegen die einmaligen Kosten bei rund 100 bis 150 Euro; laufend kommt nur der Strom für einen Kleinrechner hinzu, der ohnehin kaum etwas verbraucht.

Der mit Abstand wichtigste Faktor ist nicht die Elektronik, sondern die Platzierung der Antenne. ADS-B arbeitet auf Sichtlinie; jedes Hindernis kostet unmittelbar Reichweite. Mit einer Stabantenne in der Wohnung sind etwa 50 bis 100 Kilometer realistisch. Wandert dieselbe Empfangskette mit einer dedizierten Außenantenne aufs Dach, sind 200 bis 300 Kilometer und mehr drin. Wer über einen Empfänger nachdenkt, sollte das Budget also eher in die Antenne und ihren Standort stecken als in den Stick.

Die Software

Auf dem Pi läuft Raspberry Pi OS Lite in der 64-Bit-Variante, alles Weitere steckt in Docker Compose. Das Herzstück ist der Dekoder readsb: Er liest den SDR-Stick aus, wandelt die empfangenen Rohdaten in verwertbare Positionsmeldungen um und stellt sie allen anderen Diensten bereit. Um ihn herum gruppieren sich fünf Feeder-Container, je einer pro Netzwerk, jeweils inklusive MLAT — jenem Verfahren, das über Laufzeitunterschiede zwischen mehreren Empfängern auch Flugzeuge ortet, die ihre Position nicht selbst aussenden. Alle Container basieren auf den Images des sdr-enthusiasts-Projekts, was Einrichtung und Updates auf ein überschaubares Maß reduziert.

Diese Website greift die Daten direkt beim Empfänger ab, nicht über den Umweg eines Netzwerk-Anbieters. Was auf der Flugradar-Seite auf der Karte und in der Tabelle erscheint, hat also buchstäblich meine eigene Antenne empfangen.

Was dabei herausspringt

Als Gegenleistung für die eingespeisten Daten schalten die Netzwerke ihre Premium- beziehungsweise Business-Zugänge kostenlos frei — und zwar nicht nur im Browser, sondern auch in den iOS- und Android-Apps der Anbieter. Damit entfällt die Werbung, und der volle Funktionsumfang steht offen: erweiterte Flug-, Flotten- und Flughafendetails, eine deutlich längere Flughistorie, Wetter-Layer auf der Karte sowie individuelle Benachrichtigungen, etwa für bestimmte Flüge oder Registrierungen.

Rechnet man die Listenpreise dieser Zugänge zusammen, kommt einiges an Gegenwert heraus:

Netzwerk Zugang Gegenwert pro Jahr
Flightradar24 Business ~500 €
FlightAware Enterprise ~1.000 €
AirNav Radar Business ~300 €
Planefinder Premium ~150 €
ADS-B Exchange Community (ohne Bezahlmodell)

Unter dem Strich steht ein Gegenwert von rund 2.000 Euro pro Jahr — für eine einmalige Investition von gut 100 Euro und einen Rechner, der still in der Ecke arbeitet. Der eigentliche Reiz liegt aber ohnehin woanders: Es sind die eigene Antenne, die eigenen Daten und die Live-Luftlage über dem eigenen Dach.

Zu sehen ist das Ergebnis auf der Flugradar-Seite.


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